Januar 2009: W. A. Mozart, Große Messe c-Moll

Plakat Mozart c-moll-Messe

Samstag, 7. Februar 2009, 20:00 Uhr, Heidelberg, Peterskirche
Sonntag, 8. Februar 2009, 19:00 Uhr, Weinheim, St. Laurentius am Marktplatz

Mitwirkende
Sabine Goetz, Alison Browner u. a.
Kammerphilharmonie Nordbaden
Konzertchor Dilsberger Kantorei
Dirigent: Markus Karch

Das 1775 entstandene Misericordias Domini ist ein satztechnisch virtuoses Bei­spiel für Mozarts Beschäftigung mit dem Kontrapunkt, dem „stile antico“, den er als 14-jähriger in Italien bei Padre Martini kennenlernte.

Neben einer offensichtlichen Demonstration kontrapunktischen Könnens des gerade 19-jährigen Komponisten zeigt das Werk eindrucksvoll Mozarts Sinn für dramaturgische Gestaltung – und dies auch mit klassischen Mitteln, die den „stile antico“ kontrastieren oder mit ihm verschmelzen. Das wiederkehrende homophon-ruhige „Misericordias Domini“ (die Barmherzigkeit des Herrn) bildet den Rahmen für die polyphone Durchführung des „Cantabo in aeternum“ (singen wir in Ewigkeit). Als weiteres Gestaltungselement gibt es eine zweite Erscheinungsform des „Misericordias“-Textes: Hier singt der Chor zu einer ausgesprochen klassischen Begleitung den Text choralartig auf einem einzigen Ton. Im Verlauf des Werkes erfindet Mozart wie beiläufig immer neue fugenartige „Mini-Themen“ und steigert so die Komplexität der polyphonen Durchführung. Aber auch die ruhigen Teile werden durch eher unauffällige, aber dennoch überraschende harmonische Wendungen gesteigert.

Die kontrapunktische „Ausgangslage“ des Misericordias führte zu der Idee, Werke von Johann Sebastian Bach auszuwählen, um unserem heutigen Konzertprogramm einen Rahmen zu geben. Die „Kunst der Fuge“ ist Lehrwerk und Meisterwerk zugleich. Das Alterswerk des großen Barockmeisters führt so zum Jugendwerk des großen klassischen Komponisten – was sich besonders gut anbietet, weil beide Werke in der gleichen Tonart, in d-moll stehen. Mit dem „Adagio“ aus Bachs Violin-Sonate g-moll wird in schöner Harmoniefolge der Übergang geschaffen zum c-moll der Mozart-Messe.

Glücklicherweise bietet die unvollendete Form der c-moll-Messe einen sinnvollen Wechsel zwischen ruhigen und bewegten Teilen, zwischen Chorsätzen und solistischen Abschnitten. So fügt sich das „Sanctus“ durch den hohen Kontrast musikalisch sinnvoll an das traumhaft schöne „Et incarnatus“ an, obwohl die restlichen Teile des „Credo“ fehlen.

Das einzige Problem: Nach dem ausführlichen Solistenquartett des „Benedictus“ endet das Konzert etwas unbefriedigend mit der (traditionell üblichen) Wiederho­lung eines äußerst kurzen Hosanna-Teils. Die Lösung, das zum „Agnus“ umge­baute „Kyrie“ zu wiederholen, entspricht der Tradition kleinerer Messkom­positionen. In dieser umfangreichen Komposition hätte Mozart jedoch mit Sicher­heit neue musikalische Ideen entwickelt, um die Affekte des „Agnus“ umzusetzen.

Aus diesem Grund erschien es mir sinnvoller, auf eine solche Zutat zu verzichten und den Chor am Ende des Werkes durch eine vollständige Wiederholung des „Hosanna“ noch einmal angemessen zu Wort kommen zu lassen.

Markus Karch

Pressestimmen

„Den Wechsel von knorrigem Dunkel in den moll-Sätzen wie etwa dem „Kyrie“ und dem hell aufstrahlenden Dur-Jubel setzte der Dirigent äußerst eindrucksvoll um.“ RNZ, 12. Februar 2009

„Diese Aufführung setzte Maßstäbe“ RNZ, 11. Februar 2009

„Seriöse Arbeit, penibel eingehaltene Tempi, hochkarätige Sänger und ein nobles, abgerundetes Orchestertimbre verliehen der gut eineinhalbstündigen Aufführung Bestnoten.“ RNZ, 11. Februar 2009

„Zupackend, mit Esprit und einem mächtigen Klangbild gelang Markus Karch als souveränem Dirigenten eine Maßstäbe setzende Aufführung. (…) Selbst der liebe Gott müsste eigentlich mit dieser Art Votivgabe für Constanze Mozart zufrieden sein.“ RNZ, 11. Februar 2009

„eine gelungene, leichtfüßige, von Spielfreude geprägte Interpretation der „Großen Messe in c-moll.“ Weinheimer Nachrichten, 11. Februar 2009

„eine Bravourleistung“ Weinheimer Nachrichten, 11. Februar 2009

„Die offensichtliche Freude am Musizieren übertrug sich nachhaltig auf die Zuhörer“ Weinheimer Nachrichten, 11. Februar 2009

„Die Dilsberger Kantorei beglückte mit Leichtigkeit und kraftvoller Klangfülle“ Weinheimer Nachrichten, 11. Februar 2009

„Ein beeindruckend warmes und über alle Stimmgruppen ausgewogenes Klangbild kennzeichnet das Ensemble“ Weinheimer Nachrichten, 11. Februar 2009

„Wunderbar.“ Weinheimer Nachrichten, 11. Februar 2009